Heft 39

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Der Autor

Daniel Hufeisen (28) hat in Marburg Theologie studiert, lebt heute mit seiner Frau in Erlangen und gehört dort zu ELIA, einer evangelischen Gemeinde. Er engagiert sich bei Emergent Deutschland und bloggt unter www.einAugenblick.de

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Grün

Unfair

Globale Nächstenliebe beginnt beim Konsumieren

Text: Daniel Hufeisen

Die Welt ist voller Probleme. Unsere Umwelt zerstört. Unsere Mitmenschen auf fernen Kontinenten geplagt. Für den Funken Hoffnung können wir trotzdem sorgen.

// Alle drei Sekunden stirbt ein Kind an Hunger. Im Kongo herrscht seit über zehn Jahren der Krieg mit den meisten Todesopfern seit dem zweiten Weltkrieg. Kinder aus Mali werden in die Elfenbeinküste verkauft, um auf Kakaoplantagen zu arbeiten. In Bangladesch starben im Dezember 2010 mehrere Näherinnen bei Demonstrationen für die Auszahlung eines gerechteren Lohns. In Brasilien werden täglich große Flächen des Regenwalds vernichtet, um Soja anzubauen.
Auf solche dramatischen Aussagen kenne ich von mir vor allem zwei Reaktionen: Ich nehme den Zustand der Welt wahr, die Gedanken hinterlassen jedoch keine Spuren in meinem Gedächtnis. Oder ich bin wirklich erschrocken und bewegt – und fühle mich trotzdem machtlos, denn wie soll ich aus der Ferne etwas ändern können?
Aber bin ich wirklich total machtlos? Kann ich nicht vielleicht doch etwas tun?
Auch wenn ich nie alle Probleme der Welt lösen werde, so kann ich doch etwas zum Guten verändern. Denn vieles, was in scheinbar so weit entfernten Ländern wie Brasilien oder Kongo geschieht, hat ganz konkret mit meinem Verhalten zu tun. Du fragst, wie und warum? Hier einige Beispiele: Der Bürgerkrieg im Kongo finanziert sich vor allem durch den Abbau und den Handel von Coltan. Dieses seltene Metall wird für winzige Kondensatoren, wie man sie in fast allen Handys findet, verwendet. Wenn ich mir also ein neues Handy kaufe, kann es gut sein, dass ich damit diesen schrecklichen Krieg mit finanziere. Und für mein neues Billig-T-Shirt musste eine junge Frau in Bangladesh unter schlechten Bedingungen und für zu wenig Lohn zum Leben die Stoffe zusammennähen. Und dass das Schwein, von dem ich heute Mittag ein Schnitzel aß, mit brasilianischer Soja gefüttert wurde, ist ziemlich wahrscheinlich. Ebenso wahrscheinlich ist, dass der Kakao für den leckeren Schokoriegel aus der Elfenbeinküste stammt, wo viele Kinder zur Arbeit gezwungen werden. Die Auflistung ließe sich fortsetzen.
Mein Lebensstil und besonders mein Konsum haben nicht nur indirekt mit den schrecklichen Dingen am anderen Ende der Welt zu tun. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der mein Verhalten weltweite Auswirkungen hat – aber zum Glück nicht nur negative, sondern auch positive.
Mir ist es wichtig, dass sich mein Verhalten möglichst positiv auf andere Menschen und die Natur auswirkt. Das ist auch das, wozu mich die Bibel auffordert: Von der ersten bis zur letzten Seite lesen wir dort von einem Gott, der sich um seine Schöpfung kümmert und ganz besonders um die Unterdrückten und Armen. Jesus fasst das zusammen, als er nach dem höchsten Gebot gefragt wird: »Liebe Gott und liebe deinen Nächsten wie dich selbst« (Matthäus 22, 36-39). Mein Nächster ist heute nicht mehr nur der, der direkt neben mir steht. Wenn das T-Shirt, das ich trage, vorher schon von einer Näherin in Bangladesh in den Händen gehalten und bearbeitet wurde, dann wird sie damit zu meiner Nächsten.

Farbe bekennen
Ich habe lange gebraucht, um mir diese Zusammenhänge bewusst zu machen und noch länger, um entsprechend zu handeln. Anfangs habe ich gar nicht über Dinge wie Kleidung oder Elektronik nachgedacht. Aber irgendwann habe ich einen ersten Schritt gemacht und entschieden, nur noch fair gehandelten Kaffee, bei dem die Kaffeebauern garantiert einen angemessenen Lohn bekommen, zu kaufen. Mir hat es geholfen, mich bei einer Sache fest zu entscheiden und das als gute Gewohnheit einzuüben. Inzwischen weiß ich gar nicht mehr, wie viel ein Päckchen »unfairer« Kaffee kostet.
Erst später habe ich über andere Bereiche und Produkte nachgedacht und mein Verhalten – zumindest teilweise – entsprechend geändert. So wurde ich nach der Lektüre des Buchs »Shopping hilft die Welt verbessern« auch ein regelmäßiger Kunde eines Bio-Supermarktes, denn biologische Produkte sind nicht nur gesünder, sondern vor allem besser für die Natur und auch für die Menschen, die sie anbauen. Danach begann ich, auch bei Kleidung darauf zu achten, dass sie möglichst fair und ökologisch ist, auch wenn ich dafür oft länger suchen muss, um etwas Passendes und Bezahlbares zu finden. Insgesamt bin ich noch mitten auf dem Weg zu einem bewussten und nachhaltigen Lebensstil, in einigen Bereichen kann ich noch viel lernen. Aber dieser Weg, den ich gehe, wird immer grüner, und das gefällt mir.

Und du?
Es geht mir nicht darum, dass du plötzlich deinen kompletten Lebensstil vollständig umstellst. Ich finde es viel sinnvoller, mit einem kleinen Produkt wie Kaffee oder Schokolade anzufangen – sich gut zu informieren und dann konsequent zu handeln. Wenn daraus eine Gewohnheit geworden ist, kannst du vielleicht an anderer Stelle weitermachen. Spannend ist auch die Frage, wo es Alternativen zum Konsumieren gibt; Stichwort: verzichten, selber machen, tauschen oder gemeinsam nutzen. In all diesen Bereichen kann ich mich fragen, wer hier mein Nächster ist und was für ihn gut ist und meine Entscheidungen nicht nur von der Frage »Was gefällt mir am besten und wo zahle ich am wenigsten?« bestimmen lassen.

Bewege ich dadurch wirklich etwas?
Ja! Ich fühle mich zwar oft trotzdem machtlos, wenn ich von großen Katastrophen höre, aber im Kleinen habe ich doch die Macht, positive Veränderung zu bewirken: Wenn ich einen Fairtrade-Schokoriegel esse, weiß ich, dass dafür kein Kind zur Arbeit gezwungen wurde, sondern dass stattdessen eine Familie vielleicht genug Geld zum Leben und auch für die Bildung der Kinder bekommt. Wenn ich auf Fleisch verzichte, weiß ich, dass für meine Mahlzeit kein Regenwald abgeholzt werden musste und das Klima etwas geschont wird. Wenn ich fair gehandelte Bio-Kleidung trage, weiß ich, dass dafür keiner durch das Spritzen der Baumwolle schwer krank wurde und dass die Näherin genügend Lohn bekommt. Wenn ich einer Firma eine E-Mail schreibe und mich nach den Produktionsbedingungen erkundige, erkennt die Firma, dass dieser Bereich den Kunden wichtig ist. Wenn ich darüber nachdenke, welche Auswirkungen mein Handeln für andere Menschen und die gesamte Schöpfung hat, und dann bewusster handle und auch mit meiner Familie und Freunden darüber ins Gespräch komme, dann wird sich etwas verändern. Für mich, mein direktes Umfeld und die ganze Welt. Denn wann immer mehr Menschen anfangen, »grüner« zu leben, wird sich für immer mehr Menschen auf der gesamten Welt etwas zum Guten verändern. So wird globale Nächstenliebe praktisch. ///

Internetseiten mit weiteren Infos:
www.fairlangen.org – fair leben in Erlangen
Ein Gemeindeprojekt, das auf einer Website nützliche Informationen wie Ökostrom, ethisch korrekte Geldanlagen, unterstützenswerte Organisation in Erlangen, Fahrrad fahren und Carsharing zusammenstellt. In einem umfangreichen Einkaufsführer auf der Seite sind alle Geschäfte, die fair gehandelte, biologisch angebaute oder regionale Produkte anbieten, aufgelistet.
www.utopia.de – Plattform für nachhaltiges Konsumieren
www.micha-initiative.de – Engagement gegen globale Armut und für weltweite Gerechtigkeit
www.ardmediathek.de – dort nach »Schmutzige Schokolade« suchen

Bücher zum Weiterdenken:
- Thomas Weißenborn: Christsein in der Konsumgesellschaft - Nachdenken über eine alltägliche Herausforderung (139 Seiten, € 9,95)
- Eugénie Harvey, David Robinson: Einfach die Welt verändern - 50 kleine Ideen mit großer Wirkung (112 Seiten, € 12,90)
- Fred Grimm: Shopping hilft die Welt verbessern - Der andere Einkaufsführer (480 Seiten, € 8,95)

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