Jesus nachfolgen

Unsichtbare Kämpfe


Dass es in der geistlichen Dimension Mächte gibt, die den Nachfolgern Jesu Schaden wollen, fand die Autorin zunächst abgefahren.

Von Gerti Strauch

Hinter jedem Busch ein Dämon?

Ehrlich gesagt: Ich bin Anfänger auf dem Gebiet des Übernatürlichen. Aber ich will lernen – und zwar alles, was Gott mir dazu beibringen will. Vermutlich ist das noch eine ganze Menge. Es ist wohl wichtig, hier am Ball zu bleiben. Das zeigen mir jedenfalls meine Erfahrungen.

Mein Background ist der geistliche Pazifismus: »Man kann doch nicht hinter jedem Busch einen Dämonen vermuten«, war stets der abwehrende Satz gegenüber einer Person, die finstere Mächte erwähnte. Nicht hinter jedem Busch – nein, wirklich nicht.
Merkwürdig, dass ich im Frühjahr eine lebensgroße Woodoo-Puppe im Wald aufgestellt fand. Nicht hinter jedem Busch, aber immerhin hinter einem. Außerdem gab es da eine dazu gehörige Opferstätte. Und das ganz in unserer Nähe!

Apropos Woodoo, Hexerei und Zauberei: Dazu findet man wohl in jedem Buchladen mehr als hinter irgendeinem Busch. Nein, nicht an allem ist der Teufel schuld. Aber, wie es mir scheint, nutzt er trotzdem jede Chance.

Satan existiert

So viel habe ich mittlerweile gelernt: Die unsichtbare Welt existiert überall, sozusagen hinter jedem Busch und in jedem Haus – entweder als das Königreich Gottes oder als das Reich Satans. Deshalb stellen wir uns auch in den Machtbereich Gottes, wenn wir beten: »Dein Reich komme und dein Wille geschehe!« Es gibt sie doch, die finstere unsichtbare Welt, die genauso wie die lichte Welt Gottes ihren Einfluss vergrößern will. Diese beiden Ansprüche sind sozusagen Konkurrenten um uns und deshalb Feinde. Allerdings sind sie bei Weitem nicht ebenbürtig.

Ich kenne etliche Kirchenlieder mit eher kämpferischen Inhalt. So schrieb etwa Martin Luther »Ein feste Burg ist unser Gott« oder Johann Christoph Blumhardt »Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht«. Auch neuere Lieder wie »Für den König, für sein Schwert, das den Feind das Fürchten lehrt« von Albert Frey fallen mir ein. Bei diesen kämpferischen Texten läuft mir immer ein Schauer den Rücken herunter. Erleben nicht auch wir, so wie diese Liedermacher, enorme Widerstände, wenn wir in irgendeiner Sache Gottes Reich voran bringen wollen? Unfälle, Krankheiten, Streit in der Ehe oder Entmutigung?

Im Krieg ist der Pazifist klar im Nachteil

Das habe ich gelernt: Geistlicher Kampf war für unsere geistlichen Väter und Mütter etwas sehr Vertrautes und immer Gegenwärtiges. Ich wälze die Bibel: Jesus und Paulus und die ersten Christen lebten ganz selbstverständlich mitten in dieser Auseinandersetzung. Mir war die Wahrnehmung dieser Kriegssituation in der Vergangenheit oft eher fremd. Ja, ich hatte Neues zu lernen. Was ich bisher für abgefahren gehalten habe, ist wohl doch wichtig und zählt eigentlich zur Normalität der christlichen Nachfolge. Mit dem Pazifismus der Finsternis gegenüber muss ich also aufräumen. Bloß nicht kämpfen wollen nützt nichts, wenn es jemanden gibt, der einen fertig machen will, egal wie friedliebend man auch sein mag. Dass Satan genau das beabsichtigt, das scheut er sich nicht zu verkünden – allerdings geht er dabei wohl vielfach verdeckt vor.

So entdeckte ich neulich auf dem T-Shirt eines Dreijährigen eine dämonisch grinsende Fratze und auf Englisch den Satz: »Mein Geschenk für dich ist mein Fluch.« Den kleinen Jungen mit dem T-Shirt-Dämon segnete ich in einem stillen Gebet. Geistlich zu kämpfen bedeutet oftmals genau andersherum zu reagieren: Kämpfe gegen Flüche indem du segnest, gegen Geiz mit Großzügigkeit, gegen Bitterkeit mit Vergebungsbereitschaft, gegen Sorge mit Zuversicht usw.

Ob es einen Dämon gibt, der Bitterkeit heißt? Weiß ich nicht so sicher. Könnte ich mir aber vorstellen.

Innere Haltungen

In der Kinderstunde malten wir früher Bilder der geistlichen Waffenrüstung aus Epheser Kapitel 6 und »legten« uns diese Rüstung an, indem wir sie mit Gesten des Ankleidens verbanden. Ein solches Verständnis der Waffenrüstung erwies sich allerdings als viel zu schmal.

Diese Waffenteile – Brustpanzer der Gerechtigkeit, Gürtel der Wahrheit etc. – sind in Wahrheit Haltungen, durch die wir vor unserem Erzfeind und seinen Attacken geschützt sind und mit denen wir dessen Reich angreifen. Diese Haltungen müssen täglich trainiert werden. Das heißt es, die Waffen anzulegen. Geistlicher Kampf bedeutet gegen alte Gewohnheiten zu kämpfen, eingefahrene Gedanken Gott unterzuordnen und bekannte Gefühle nicht länger mit den Gegebenheiten zu rechtfertigen.

Befreiung erlebt

Also erklärte ich Gott gegenüber meine Bereitschaft zum Kampf. Ich wollte trainiert werden und geistlich kämpfen lernen. Dann passierte Folgendes: In der Seelsorge sprach ein Christ Vergebung einer anderen Person gegenüber aus, die ihn vor Jahrzehnten innerlich stark verletzt hatte. Er löste sich von seiner Verbitterung über die Ungerechtigkeit, die ihm geschehen war – und fiel vom Stuhl, krümmte sich und brüllte. Das hatten wir nicht erwartet. In dieser Situation war es egal, ob es einen Dämon mit Namen Bitterkeit gab oder nicht, wir mussten handeln. Wir kramten zusammen, was wir zum Thema Befreiung wussten. Wir beteten, sprachen den Namen »Jesus« aus, sangen Anbetungslieder und waren ratlos und zugleich entschlossen, den Sieg von Jesus Christus praktisch erleben zu wollen: Wir befahlen den finsteren Mächten energisch und im Namen Jesu, zu gehen. Wir gaben nicht auf. Als endlich unser Freund auf seinen Knien Jesus für seine Befreiung dankte, wussten wir, dass die Finsternismächte jetzt tatsächlich verschwunden waren.

Was hatte ich verstanden? Eine Menge. Zum Beispiel, dass auch Christen einen Dämon haben können und dass diese finsteren Mächte fähig sind, wie Zement in einer Mauer zu wirken: Sie stabilisieren – allerdings das Negative in einer Person. Sie können sündige Haltungen verfestigen und Lebensprobleme wie beispielsweise Ängste stärken. Ich lernte, dass sie sich manchmal tatsächlich äußerten. Und vor allem, dass wir als Christen Autorität haben, im Namen von Jesus Christus zu sprechen und zu handeln. Und dass die finsteren Mächte letztendlich gehen müssen, wenn wir ihnen in Jesu Namen befehlen zu verschwinden.

Ausgespukt

Ich suchte Antworten auf viele Fragen, die durch dieses und andere Ereignisse aufgeworfen worden waren. Weitere erstaunliche Befreiungen geschahen. Eine unserer Freundinnen berichtete von ihrem Elternhaus, in dem es spukte, und wie sie diesen Spuk losgeworden waren. Sie kündigten einen Vertrag mit Satan, den Vorfahren geschlossen hatten, und verbrannten einen dämonischen Schutzbrief. Ergebnis: Spuk beendet. Ich lernte, dass auch Orte belastet sein können. Auch sie können befreit werden.

Von Migräne befreit

Meine Freundin litt unter Migräneanfällen mit psychischer Ursache, wie man diagnostizierte. Als wir eines Tages für sie beteten, konnte ich miterleben, wie sie von finsteren Mächten befreit wurde – und zeitgleich von der Migräne. Das zeigte sich in der Zeit nach dem Gebet. Manchmal gibt es wie bei meiner Freundin einen Zusammenhang zwischen körperlichen Krankheiten, psychischen Problemen, der dazu gehörenden Lebensgeschichte und finsteren Mächten, die das Leiden verschlimmern und verfestigen. Noch etwas Faszinierendes geschah bei diesem Ereignis: Unsere Freundin leuchtete nach ihrer Befreiung. Ihr Gesicht schien tagelang wie von einer inneren Lichtquelle angestrahlt zu sein – für jeden sichtbar. Das war ein Wunder von Gott. Ja, es gibt auch sie, die übernatürliche Welt Gottes. Seine Herrlichkeit und Kraft sind erleb- und erkennbar!

Das Kind eines Bekannten war lebensbedrohlich erkrankt. Angst wollte ihn packen. Er betete. Er kämpfte um das Kind und um sein eigenes Vertrauen in Gott. Und gewann den Sieg. Er überwand die Angst, indem er Gottes Versprechen, die er in der Bibel fand, mehr vertraute als den offensichtlichen Gegebenheiten. Doch ihm war gar nicht klar, dass sein Weiterglauben und sein Überwinden der Angst ein mächtiger Sieg in einem geistlichen Kampf war und er ein Held in der Armee Gottes. Das musste ihm erst einmal gesagt werden.

Mein Einflussbereich

Was ist also dieser geistliche Kampf? Es geht im Grunde darum, alles unter die Herrschaft Gottes zu bringen. Zunächst alles, wofür ich selbst Verantwortung trage. Mein eigenes Leben, meine Gedanken, Haltungen, Gefühle, meinen Körper und mein Tun. Dann meine Beziehungen, Ehe und Familie, Freundschaften und all meinen Besitz. Dann meinen Beruf. Und dann immer mehr »Land« für Gott zu erobern. Ich muss allerdings wissen, dass das Land noch von anderen Besitzern besetzt ist. Deshalb kann es sein, dass ich um jeden Zentimeter kämpfen muss. Mit Land meine ich damit nicht unbedingt echtes Land wie ein Grundstück oder einen Straßenzug (wobei das auch gemeint sein kann), sondern vor allem Bereiche in meinem Leben und in der Gesellschaft.

Ich kenne Christen mit bedeutend mehr Erfahrung als ich sie habe. Zu ihnen kann ich mit meinen Fragen kommen. Gut, dass sie in diesen Fragen Rat geben können. In jedem Fall brauchen wir Gottes Anweisungen um in der jeweiligen konkreten Sache erfolgreich überwinden zu können. Gott handelt nicht stereotyp. Deshalb ist es wichtig und gut, Gott im Gebet zu suchen und seine Strategie zu verstehen. Und dann entsprechend zu handeln. Anbetung, Fürbitte, das Aussprechen von Bibelworten, der direkte Befehl an die finsteren Mächte zu verschwinden, Buße und auch stellvertretende Buße können Elemente in dieser Auseinandersetzung sein.

Gott ist mächtiger als Satan

Was ich besonders gut daran finde, diese Lernstationen zu erleben, ist, dass mir immer bewusster wird, dass wir nicht gegen Menschen kämpfen, sondern gegen die finsteren Mächte, gegen Ex-Engel [1] der unsichtbaren Welt. Und dass ich dabei immer stärker weiß: Der Feind [2] hat keine Macht über mich. Jesus ist König. Seine Macht bleibt ewig fest etabliert. Er kann niemals gestürzt werden.


Fußnoten:

  1. Der Begriff Ex-Engel bezieht sich auf die Herkunft von dämonischen Wesen. Siehe Hesekiel 28,14 und Lukas 10,18
  2. Satan heißt übersetzt »Gegner« oder »Ankläger«, deshalb bezeichne ich ihn hier als »Feind«.

Gerti Strauch

Gerti Strauch ist lernbegierig und wohl durchaus nicht zu alt dafür, findet Gott – denn er bringt ihr immer wieder Neues bei. Das gibt sie gern in Seminaren weiter. Zusammen mit ihrem Mann Diethelm hat sie fünf Kinder und wohnt in Solingen. Als gelernte Pädagogen leiten die beiden die standUp-Gemeinschaft, welche Kurse zu einem breiten Themen-Spektrum anbietet. www.standupev.org

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